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Der Kirchenchor in den letzen 50 Jahren

Eine Spurensuche von Markus Hülshof

Die Gründungsmitglieder
Die Gründungsmitglieder

Nach langem Suchen in diversen Quellen bleibt die Feststellung: Für die Jahre nach dem 50. Geburtstag unseres Chores sind Aufzeichnungen so gut wie nicht überliefert – oder noch nicht entdeckt.

Bei meinen Recherchen im Bistumsarchiv konnte für die späten Fünfziger Jahre den dort aufbewahrten und gesammelten Publikanden allerdings regelmäßig der Hinweis auf stattfindende Proben entnommen werden. Aus der Erinnerung von Zeitzeugen ist auch die eine oder andere Veranstaltung noch bekannt. Von einem Konzert fand sich in den Unterlagen des Archivs der Bürgerschützengilde ein Konzertprogramm vom 26. April 1959, das der Chor im „Saale Heinrich Schneider“ veranstaltete. Mitwirkende waren neben dem Chor die Solisten Dietmar Mantel (Violine) und Siegfried Böhm (Klavier). Die Leitung hatte der damalige Chorleiter Heinz Hülshoff. Beindruckend ist schon allein der Umfang des 15 Werke umfassenden Programms:

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Für die Zeit zwischen den frühen Sechziger Jahren bis Anfang der Achtziger Jahre wissen wir von einer Pause des Chorlebens. Hin und Wieder sang eine Männerschola; regelmäßige Proben fanden jedoch nicht statt.
Am Pfingstfest des Jahres 1981 sang der neubelebte Chor unter der Leitung von Markus Brenk die VIII. Messe. In der Folgezeit wuchs der Chor ständig und wagte sich bald auch an mehrstimmige Werke. Bald wurde es wieder zur Tradition an vielen Hochfesten wie Allerheiligen, Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Fronleichnam mit mehrstimmigen Gesang die Gottesdienste musikalisch zu gestalten. Wie heißt es im letzten Satz des ersten Protokolls aus dem Jahre 1982 als Zitat des Vorsitzenden Heinrich Hölscher:

„ Die vornehmste Aufgabe eines Kirchenchores ist, zur Ehre Gottes zu singen.“

Aber auch die Geselligkeit kommt in der Jahresplanung des Chores nicht zu kurz. Schnell entwickelte sich eine Tradition, auch außerhalb des gemeinsamen Singens, die Gemeinschaft der Chormitglieder zu fördern.

So steht jährlich ebenso ein Ausflug auf dem Programm wie die zahlreichen anderen Gelegenheiten geselligen Beisammenseins. Genannt seien hier beispielhaft die Karnevalsfeiern, der Maigang oder auch das Dreikönigsessen des Chores.
Das herausragende Ereignis in 1982 war das 80jährige Jubiläum des Chores, der zu diesem Zeitpunkt 29 Mitglieder zählte. Heinrich Hölscher, langjähriger Vorsitzender des Chores, würzte seine historischen Rückblicke mit Anekdoten, die zum Schmunzeln anregten. So wusste er auch im Rahmen der Feierstunde anlässlich des 80. Geburtstages des Chores davon zu berichten, dass schon lange vor der Geburtsstunde des Kirchenchores die Musik in dem Dorf am Lippestrand groß geschrieben wurde. Unter der Leitung des Vikars ertönten jeden Tag vor Beginn des Unterrichts in der Messe die hellen Stimmen der Schulknaben und –mädchen. Doch sind es nicht nur Gesänge zum „Lob des Allerhöchsten“, die da einstudiert wurden. So beschwerte sich der Verleger einer westfälischen Monatsschrift für das alte Vest Recklinghausen im 18. Jahrhundert über einen Ahsener Pfarrer, der den Kindern das Lied „Freut euch des Lebens“ mit einem „gar unflätigen“ Text beigebracht habe.

Die Orgel der Firma Breil aus DorstenZu den Höhepunkten der jüngeren Geschichte unserer Gemeinde zählt sicherlich der Bau und die Weihe unserer Orgel im Jahre 1984. Die Orgel der Firma Breil aus Dorsten hat 19 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind voll mechanisch. Aus der alten Orgel von 1921 konnten nach Überarbeitung sechs Register übernommen werden. Unter dem Leitwort „Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet!“ (Ps 98,4) stand die Orgelweihe am 17. November 1984 durch Generalvikar Heinrich Janssen. An der Orgel spielte Regionalkantor Bernhard Terschluss aus Dülmen.

Musikalisch konnte der Chor seine Leistungen weiter steigern. Im Rahmen der Serie „Musik im Ostvest“ veranstaltete er im September 1987 ein Kirchenkonzert in der Ahsener Kirche. Die ausgesprochen positiven Kritiken seien hier auszugsweise zitiert: „Konzert in St. Marien Ahsen setzt Glanzlicht auf die „Ostvest-Musik“ (Dattelner Morgenpost vom 22.09.1987) – „Kirchenkonzert in Ahsen: Musica sacra in Vollendung“ (WAZ vom 23.09.1987). Das Programm umfasste Orgelwerke von Bach (Toccata und Fuge in C-Dur) und Händel (Konzert für Orgel und Orchester in g-moll) sowie Chorstücke von Bruckner („Locus iste“) und Haydn (Die Himmel erzählen). Das Konzert fand unter der Mitwirkung des Streichorchesters der Musikschule unter der Stabführung von Christoph Vatheuer statt. Die positiven Kritiken in der Presse galten besonders dem Leiter des Chores und Orgelinterpreten Markus Brenk: „Die fein abgestimmte Registrierung und saubere Technik zeugen von hoher Musikalität des Interpreten, der an diesem Abend Schwerstarbeit zu leisten hatte, ohne dass man ihm dies anmerkte [...]“
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung 1988 kandidierte der langjährige Vorsitzende Heinrich Hölscher nicht mehr. Als seine Nachfolgerin wurde Editha Krimpmann gewählt. Heinrich Hölscher wurde vom Chor zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Im Jahre 1992 feierte der Kirchenchor sein 90jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass veranstaltete der Chor ein Festkonzert am 26. September 1992. Bekannte Solisten konnte der Chor – der selbstverständlich ebenfalls seinen Part bei dieser Festmusik übernahm – dafür verpflichten. Michael Behrend (Orgel und Klavier) aus Kleve sowie die Sopranistin Anke Hoffmann (Köln) waren an diesem Abend in Ahsen zu Gast. Das umfangreiche Konzertprogramm beinhaltete neben den Haydn-Psalmen „Mein Gott, ich hab´ auf dich gebaut“ und „Schöpfer der Welt“ drei biblische Lieder von A. Dvorák, ein Konzert für zwei Trompeten von Manfredini und zum Abschluss eine Kantate für Chor, Bläser und Orgel von Walcha. Zuvor wurden anlässlich des Jubiläums am 8. September ein Degen und drei Schärpen von 1908 aus dem Chorbesitz dem Heimatmuseum in Datteln als Dauerleihgabe übergeben.

Die Festmesse anlässlich des Jubiläums fand am Cäcilienfest des Jahres 1992 statt. Die örtliche Presse zollte wiederum allen Beteiligten großen Respekt. Die Messe, die vom Chor sowie Werner Bauer an der Orgel unter der Gesamtleitung von Markus Brenk gestaltet wurde, beendete die Feierlichkeiten zum 90jährigen Jubiläum. „Dass der Cäcilienchor dringend gegründet werden müsste, wenn es ihn nicht schon gäbe, ist allen klar“ resümierte Pfarrer Windecker in der anschließenden Feierstunde im Pfarrheim die vielen Lobreden auf den Chor.

Im März 1995 gab der langjährige Chorleiter, Markus Brenk, die Leitung des Chores ab. Er blieb jedoch dem Chor als Ratgeber und häufig auch als Sänger erhalten. Bei der Verabschiedung als Chorleiter würdigte die Vorsitzende Editha Krimpmann seine Leistungen. Der Chor habe viel gelernt und ihm viel zu danken. Nachfolger wurde für ein Jahr der Oer-Erkenschwicker Rainer Pieper. Am 1.06.1996 übernahm das bisherige Chormitglied Heiner Jung die Leitung des Chores.

In den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte sich eine große Freundschaft zur Chorgemeinschaft St. Elisabeth Breitenholz/Leinefelde (Thüringen). Gestärkt wurde diese Verbindung durch gegenseitige Besuche. Im Jahre 1997 fuhr der Chor mit 55 Personen nach Thüringen. Am ersten Tag stand der Besuch der Wartburg in Eisenach auf dem Programm. Am Sonntag gestalteten beide Chöre den Gottesdienst sowie die anschließende Prozession durch die der Kirche benachbarte „Plattenbausiedlung“. Der Gegenbesuch aus Leinefelde fand dann zwei Jahre später statt. Schließlich trafen sich beide Chöre anlässlich des Chorausfluges im Jahre 2002 in Goslar. Hier gestalteten beide Chöre den Gottesdienst in der evangelischen Stabkirche Hahnenklee.

Der Chor hat auch im Kreis der Ahsener Verbände und Vereine seinen festen Platz. Zu herausragenden Ereignissen und Feiern im Dorf darf ein Ständchen des Kirchenchores nicht fehlen. Das gilt für Schützenfeste ebenso wie für Feierlichkeiten des Sportvereins.
In jüngster Zeit bringt sich der Chor auch in die neugegründete Arbeitsgemeinschaft Dattelner Chöre ein. So sang auch der Ahsener Chor beim Benefizkonzert der Arbeitsgemeinschaft am 10. März 2002 mit. Das Konzert von insgesamt 11 Chören bzw. Musikgruppen, fand in der Dattelner Öffentlichkeit große Resonanz.

In der letzen Probe vor den Sommerferien verabschiedete der Chor seinen Chorleiter Heiner Jung, der in Kürze in die Nähe von Berlin zieht. Der Chor hat unter seiner Leitung eine Reihe von Höhepunkten sowohl in musikalischer, als auch in geselliger Hinsicht erlebt. Heiner Jung wurde im Rahmen einer Feierstunde herzlich verabschiedet.

Jubiläum 2002

Seit dem Sommer diesen Jahres bereitet sich der Chor unter der Leitung seines „Wiedergründers“, Prof. Dr. Markus Brenk, auf die Feierlichkeiten des 100jährigen Bestehens vor. Besonders freuen sich die Mitglieder des Chores, dass sie für dieses Projekt von einer großen Schar von Chormitgliedern des Kirchenchores St. Amandus unterstützt werden.
Gemeinsame Erfahrungen konnten beide Chöre anlässlich der Verabschiedung von Pfarrer Schwartz und der Einführung von Pfarrer Bomers sammeln. Die Chöre sangen zu beiden Anlässen unter der Leitung von Michael Kemper die Messe in C-Dur von Anton Bruckner.
Wie es weitergeht? Für das langfristige Überleben des Chores ist eine gründliche Nachwuchssuche unerlässlich. Doch zunächst wird der Chor nach dem Jubiläum mit dem neuen Dirigenten Michael Kemper seine Probenarbeit aufnehmen und – wie gewohnt – an den kirchlichen Hochfesten zur Ehre Gottes singen.

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